Rezensionen und Besprechungen  
 



Friedrich Nietzsche "Also sprach Zarathustra" (1883)

Richard David Precht
"Wer bin ich - und wenn ja, wie viele"

Lawrence Norfolk "Lemprière´s Wörterbuch"

Wilhelm Busch

Knigge "Über den Umgang mit Menschen"

Friedrich Nietzsche „Jenseits von Gut und Böse“

T.Coraghessan Boyle (geb. 1948)
Wassermusik, 1980
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1990

Renate Feyl "Der lautlose Aufbruch"


  T.C. Boyle ist längst kein Geheimrezept mehr. Weshalb also Worte verlieren über einen Schriftsteller, dessen Bücher man so oder so zur Hand nimmt oder gar kauft, wenn man ihnen begegnet? Der Name bürgt schließlich für Qualität ...
Nein, das tut er leider nicht. Der Name hat mich durchaus einige Male enttäuscht - nämlich wenn ich nach beendeter Lektüre feststellen musste, dass, was hier mit Präzision abgewogen, lecker verpackt und meisterlich zubereitet war, trotz bester Gewürze und eines gesunden Appetits fad und trocken blieb. Zu oft der Gedanke, dass es mich eigentlich kaltließe, wenn der Held des entsprechenden Romans plötzlich von einem herabfallenden Backstein erschlagen würde ... Klappe zu, Zeit gespart.
Und deshalb will ich ein paar Worte verlieren, über die „Wassermusik“, die anders ist und zu meinen persönlichen Top 10 gehört.
Auf der Zeitlinie zweier tatsächlich stattgefundener Entdeckungsreisen des jungen Schotten Mungo Park, der sich um 1800 aufmachte, für Königreich, Wissenschaft und nicht zuletzt den eigenen Ruhm, Verlauf und Mündung des Niger zu finden, errichtet Boyle als Szenerie ein England und ein Afrika, wie sie authentischer in jenen Dekaden kaum gewesen sein konnten. Abergläubisch, ungesund und stinkend das eine wie das andere. Hier wie dort das Recht des Stärkeren als oberstes Prinzip. Bevölkert von Schuften, Halsabschneidern, armen Trotteln; aber auch von Suchenden, Weisen, Liebenden. Als Haupthelden Mungo Park und Ned Rise, ein ewig vom Pech verfolgter Halunke, der von Geburt an alle Chancen die er bekommt, schlicht und einfach zum Am-Leben-Bleiben benötigt.
Diesen Überlebenskampf zur Darstellung und Entwicklung innerer Größe, ja, Erhabenheit herzunehmen, ist ebenso genial verfertigt wie die Entlarvung des gefeierten Entdeckungsreisenden als das naive Hänschenklein, das er nun einmal ist, ohne die Figur dabei lächerlicher zu machen als sie selbst sich macht. Die Fäden beider Schicksale zu solch einem stimmungs-, gefühls- und aktionsgeladenen Gobelin verquickt zu haben ist ein Werk, auf das auch Clotho und ihre Schwestern stolz gewesen wären. Für den Leser ein Abschnitt Historie zum Miterleben, umgeben von Menschen, deren Schicksal nicht gleichgültig lässt. Bis zum bitteren Ende.
 
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