Rezensionen und Besprechungen  
 

Friedrich Nietzsche "Also sprach Zarathustra" (1883)

Richard David Precht
"Wer bin ich - und wenn ja, wie viele"

Lawrence Norfolk (geb. 1963)
Lemprière´s Wörterbuch
Goldmann Verlag, 1992

Wilhelm Busch

Knigge "Über den Umgang mit Menschen"

Friedrich Nietzsche „Jenseits von Gut und Böse“

T.Coraghessan Boyle „Wassermusik“

Renate Feyl "Der lautlose Aufbruch"

  Da es sich bei diesem Buch seit Jahren um mein Lieblingsbuch handelt, wird man mir wohl eine gewisse Überschwenglichkeit nachsehen müssen, wenn ich nun darüber rede.
„Lemprière´s Wörterbuch“ - um mit der Überschwenglichkeit sofort zu beginnen – ist von vorn bis hinten ein Meisterstück. – Vom gut charakterisierenden Klappentext bis zum Dossier des Übersetzers. Ein Meisterstück, das sich des Vergleiches mit den größten bekannten Kunstwerken nicht zu schämen brauchte. Ich sage bewusst Kunstwerke, denn dieses Buch nur mit anderen Büchern zu vergleichen, hieße seine Wirkung weit zu unterschätzen: Der Text spricht eine Sprache, die gesungen werden möchte; die Sätze und Absätze fügen sich in perfekter und überraschender Choreografie zu Bildern, vor denen man verweilen, in die man tief versinken kann; der Blick umfasst in jedem geschilderten Moment ein unglaubliches Spektrum an Geografie und Geschichte, an Psychologie und Erfindung; die Blicke folgen faszinierenden Akteuren auf ihren Wegen durch Landschaften, die auch jenseits ihrer beschriebenen Grenzen existieren müssen, weil etwas so überzeugend Gemaltes kein Fantasiegebilde sein kann ... – und die Akteure, so künstlich im wahrsten Sinne des Wortes, wie manche von ihnen sind, erfüllen die Schicksale, die ihnen bestimmt sind, mit jener scheinbar planlosen Folgerichtigkeit, wie sie das Leben selbst in petto hat. Das überwältigende Erzählwerk spielt eine Handlung, wie sie Dumas und sein Mitarbeiterstab nicht besser hätten ersinnen können, mit einer Starbesetzung Sheakespaerscher Helden vor den üppigsten Kulissen. Bleibt zu erwähnen, dass sich auf den über 800 Seiten dieses Buches der Kreis um eine der allerschönsten Liebesgeschichten schließt. Etwas für die Romantiker unter denen, die mit leichter Unterhaltung nicht viel anfangen können. Eine eigene Erwähnung verdient auf jeden Fall der Übersetzer Hanswilhelm Haefs. Die Gewissenhaftigkeit seiner Arbeit, die nicht nur durch den Wort- und Bildreichtum des Textes bezeugt wird, sondern auch aus des Übersetzers abschließenden Bemerkungen spricht, beruhigt mich in der Überzeugung, dem englischen Original gewiss nicht mehr Vergnügen und Faszination entlocken zu können, als diese deutsche Version zu bieten vermochte.
 
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