Rezensionen und Besprechungen  
 

Friedrich Nietzsche "Also sprach Zarathustra" (1883)

Richard David Precht
"Wer bin ich - und wenn ja, wie viele"

Lawrence Norfolk "Lemprière´s Wörterbuch"

Wilhelm Busch (1832 - 1908) zum 100. Todestag

Knigge "Über den Umgang mit Menschen"

Friedrich Nietzsche „Jenseits von Gut und Böse“

T.Coraghessan Boyle „Wassermusik“

Renate Feyl "Der lautlose Aufbruch"


 

Wilhelm Busch ist einer der ganz Großen.
Die Fülle der verschiedenen Ausgaben seiner Werke; die unzähligen Abhandlungen, Besprechungen, Anthologien, Dissertationen über ihn, seine Arbeit und sein Leben bezeugen dies ebenso wie die Allgegenwart seiner Schöpfungen im Geistesgut der deutschsprachigen Leserschaft.
Seine Gedichte und Zeichnungen faszinieren das Kind auf den ersten Entdeckungsreisen durch das Bücherregal der Erwachsenen ebenso wie den alten abgeklärten Wort-Gourmet; seine Weisheit hatte noch stets die Kraft, das Leben über sich selbst zu erheben; seine Schöpfungen haben so viele Künstler und Schriftsteller nach ihm inspiriert, und sein Humor hat ihn nicht nur mir zum engen Freund gemacht. Wer hat wie er die Bildende Kunst und die Literatur so trefflich zu vereinen gewusst? Wer konnte wie er handwerkliche Meisterschaft und tief durchdachtes Sinnen über das Leben und Streben der Welt mit Witz und Volksnähe verbinden? Seine Geschichten sind virtuos und mit fundierter Kenntnis über das Wesen und die Regeln der Sprache in Reime verpackt. Seine Verse sind so einprägsam, seine Rhythmen so natürlich, und doch ist da nichts abgedroschen, gezwungen oder flach. Scharf geschliffen und treffsicher findet jede Zeile ihr Ziel. Seine Figuren sind so lebendig illustriert und bei aller Fantasie der Erfahrung so nah, dass sie der Erinnerung nicht nur als Idee, sondern wahrhaftig als Person erhalten bleiben. In der augenzwinkernden Art eines Weisen schilderte Wilhelm Busch sowohl Alltagsleben als auch Tücken des Geschicks, Ungerechtigkeiten und persönliche Enttäuschungen und machte klar, dass hinter den Kulissen der Lebensbühne viel mehr vorgeht, als dem ersten Blick erkennbar ist.

Wenn Wilhelm Busch sowohl den Herren der Hohen Literatur als auch den Bewahrern der Schönen Künste nur schwer bekömmlich ist, dann wohl deshalb, weil der Große Deutsche Geist bekanntlich Große Deutsche Probleme mit dem Humor hat. Aber gerade das war und ist der Grund, der Wilhelm Busch beliebter macht als so viele andere Dichter: Sein Humor; manchmal witzig, oft melancholisch, mal boshaft und mal voll menschlicher Wärme, immer weise, tiefsinnig und anteilnehmend.

Am 8. Januar 2008 jährt sich sein Todestag zum einhundertsten Male.
Einhundert Jahre ohne Wilhelm Busch? Wohl kaum.

 
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