Rezensionen und Besprechungen  
 

Momentaufnahmen 1

Momentaufnahmen 2

Friedrich Nietzsche "Also sprach Zarathustra" (1883)

Richard David Precht "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele" - Besprechung Teil I
Richard David Precht "Wer bin ich - und wenn ja, wie viele" - Besprechung Teil II

Lawrence Norfolk "Lemprière´s Wörterbuch"

Wilhelm Busch

Knigge "Über den Umgang mit Menschen"

Friedrich Nietzsche „Jenseits von Gut und Böse“

T.Coraghessan Boyle „Wassermusik“

Renate Feyl "Der lautlose Aufbruch"

 

Man sollte positive Urteile nur ernstnehmen, wenn der Urteilende das Beurteilte wenigstens zweimal gründlich betrachtet hat. Etwas als "gut" oder gar "prima" Eingestuftes wird man sich ja sicherlich mehrmals zu Gemüte führen und kann mit dem öffentlichen Lob demzufolge auch ein wenig warten. Die Gefahr vorschnellen Lobens ist bei einmaliger Betrachtung nämlich groß: Gängige Mechanismen "moderner" Produktionen, die ausgeklügelt darauf zielen, an Oberflächen liegende Bedürfnisse sozusagen instant zu befriedigen und damit schnelle Begeisterung zu erzeugen, verfangen auch bei mir, und manches rasch gefällte Urteil "Toll!" musste bei näherer Betrachtung beschämt revidiert werden. Aus diesen Gründen verschwanden, unter vielen anderen, alle bis dahin gehabten Bücher von Stephen King aus unseren Regalen. Zwar halte ich "ES", "Schwarz" und "Langoliers" noch immer für gelungen und als Texte überzeugend ...- fürchte jedoch, dass sie eine weitere Lektüre nicht überleben würden. Also behalte ich sie in guter Erinnerung, ohne abermaliges Lesen in Erwägung zu ziehen.
Andererseits gibt es - nicht in solcher Menge wohl, aber es gibt sie - kulturelle Leckerbissen, für die Sinne und Hirn sozusagen erst erwachen müssen. Da machte die im ersten Augenblick spontane Ablehnung bei intimerer Bekanntschaft oft gar ernst- und dauerhafter Liebe Platz. Nietzsches "Also sprach Zarathustra" gehört ebenso zu diesen Werken wie Norfolks Roman "Lempriéres Wörterbuch" oder Arnold Hausers "Sozialgeschichte der Kunst und Literatur".
Abgesehen davon ist es gewiss normal, wenn sich Geschmack und Vorlieben mit der Zeit und dem Älterwerden wandeln. Selbst von mir in einem bestimmten Alter oft gelesene Bücher konnten durch solchen Wandel in arge Bedrängnis geraten, wogegen vormals als ziemlich langweilig eingestufte Texte sich durchaus zu "page-turnern" zu entwickeln in der Lage waren. Viele von mir ehemals begeistert gelesene Geschichten Astrid Lindgrens beispielsweise sind mir heute unerträglich. Wogegen die stillen, etwas melancholischen Bücher von Tove Jansen in meiner Wertschätzung über die Jahre immer weiter stiegen.
Es gibt Bücher, denen das Alter (ihres und meines) offenbar nichts anhaben kann. Dumas´ "Die drei Musketiere" und "Der Graf von Monte Christo" gehören ebenso dazu wie Stevensons "Die Schatzinsel" oder Tolkiens "Der kleine Hobbit" und seine Trilogie "Der Herr der Ringe".

Natürlich gibt es Autoren, die man einfach mag. Zwar bin ich längst kein kritikloser "Fan" mehr von irgend etwas oder irgend jemandem, aber die Lektüre einiger Schriftsteller kann ich pauschal empfehlen. Sicher ist keiner von ihnen in Inhalt und Stil von seinem ersten Buchstaben bis zum Schlusspunkt seines letzten Buches unverändert genial, aber ich darf bestimmt sagen, dass es sich lohnt, Shakespeare oder Goethe, Erich Maria Remarque oder Leo Perutz, Jules Verne oder Terry Pratchett zu lesen, weil ihre Texte nicht vordergründig, seicht oder plump sind, sondern auch nach mehrmaliger Lektüre immer noch neue Eindrücke und Anregungen bieten und sich darüber hinaus einer Sprache bedienen, die edel bearbeitet und - einfach gut ist. (Terry Pratchetts Bücher sind sogar in den oberflächlichen Übersetzungen von Andreas Brandhorst noch gut. Im englischen Original jedoch unvergleichlich viel besser.)

Ähnlich liegen die Fälle bei Filmen und Musik. Wobei Musik es, ihrer heutzutage viel zu leichten Konsumierbarkeit wegen, am schwersten hat. Man kann ein aktuelles Lieblingsalbum tagein tagaus von früh bis spät nonstop im Hintergrund laufen lassen ...- bis es einem zu den Ohren hinaus hängt, und man es irgendwann im wahrsten Sinne satt hat. Erinnern Sie sich? Die Sache war ein wenig anders, als man es noch mit Tonbändern oder Schallplatten zu tun hatte: Es ist doch ein - wenn auch kleiner - Aufwand, den Tonträger immer wieder umzudrehen, und manche für Ohr und Hirn erholsame Pause ergab sich nur daraus, dass man einfach keine Zeit hatte, ständig zu Tonbandgerät, Kassettenrecorder oder Plattenspieler zu laufen. CDs und MP3-Formate haben diese Pausen gestrichen und damit wohl ihren Teil dazu beigetragen, dass Hits, Top-Alben und Bands immer schneller verschleißen. Umso schöner, wenn man sagen kann, dass es, auch abgesehen von den Klassikern wie Vivaldi, Telemann oder Bach, trotzdem noch Musik gibt, der man scheinbar ewig lauschen kann, weil man bei jedem Hören immer noch etwas dazu entdeckt. Ich höre zum Beispiel seit teilweise über 20 Jahren mit unverminderter - ja, eher immer noch steigender - Begeisterung die letzten Alben von Talk Talk "The Spirit of Eden" und "Laughing Stock" nebst Mark Hollis´ Solo-Produktion "Mark Hollis": Sie eignen sich mir für die musikalische All-day-Berieselung ebenso wie für den aufmerksamen Hörgenuss; werden nie zu Ohrwürmern und nie langweilig. Mit dieser Art perfekter Schwingung kann ich nur wenig andere Musiker und Musiken vergleichen. Die Band Genesis gehört möglicherweise dazu. Und Marillion (solange Fish der Sänger war!) ist großartig und ebenfalls ever-lasting. Auch die Alben "The Friends of Mr. Cairo" und "Short Stories" von Jon and Vangelis sind nicht kleinzukriegen.
Natürlich sind da auch viele andere Klänge, die sich nicht, und scheinbar nie, abnutzen - die man jedoch nicht immerzu und ständig hören kann. Manches eignet sich nur für bestimmte Stimmungen, Tätigkeiten oder Anlässe. So gerne ich sie mag, kann ich AC/DC nicht jeden Tag hören, und auch David Bowie, die Rolling Stones, Portishead oder Radiohead haben ihre Zeiten. Zu dieser Gruppe von dauerhaft guter Musik gehören für mich auch DeuS, Foyer des Arts, Killing Joke, The Psychedelic Furs, The Immaculate Fools, E.L.O., Pink Floyd, Roxy Music, Siouxsie and the Banshees, P.J.Harvey und noch eine Menge andere.

Was Filme angeht ...- da wir so gut wie nie ins Kino gehen und unser häusliches Fernsehgerät mit keinerlei Sendeanstalt verbunden ist, sondern nur dazu dient, Videos oder DVDs zu zeigen, summen die meisten filmischen Eintagsfliegen unbemerkt an uns vorbei. Die Konserven unserer Sammlung werden also mehrmals und teilweise sogar oft angesehen, und es gibt - wie bei der Musik - Favoriten in unterschiedlichen Graden. Alte, immer wieder gern angeschaute, Kamellen sind ohne Zweifel Titel wie "Manche mögen´s heiß", "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" oder Peter Sellers´ Kommissar Clouseau. Und es gibt auch ernsthaftere und möglicherweise wichtigere Werke, die für uns zu den besten Filmen zählen: "Schtonk!", "Wir können auch anders" und "Sonnenallee" gehören wohl dazu.

Diese Seite soll also verschiedenen Besprechungen und Rezensionen gewidmet sein; manchmal ausführlichen, manchmal kürzeren Auftritts; immer subjektiv und - was sicherlich auch ganz erfrischend ist - nicht ausschließlich lobend.

 
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