Der Poetische Contineralismus - Ein Manifest zur Frage "Was ist Kunst?"
rubrik zurück

 

"Mit dem Contineralismus schuf Timo Dillner einen Kunst-Stil, dessen unerhörte Strenge einer immensen Vielfalt wirklicher Kunstäußerungen Raum gibt."

Eine Definition ist die kürzeste und dabei umfassendste Beschreibung eines bestimmten Gegenstandes (auch im Bereich der Ideen). Diese Definition trifft ausschließlich auf diesen Gegenstand zu. Verwendet man diese Definition als Rezept, lässt sich anhand eben der Beschreibung der definierte Gegenstand - und nichts anderes als der definierte Gegenstand - herstellen. Das funktioniert auch bei der Kunst. Folgendermaßen:
Kunst = [ist gleich] das zielgerichtet auf ein Publikum wirkende Ergebnis kreativen Wollens und Könnens selbstbewusster Individuen. Kunst entsteht ausschließlich im Zusammenwirken der Elemente Persönlichkeit, Wahrnehmbarkeit, Botschaft, Wissenschaft, Experiment und Therapie.
Mit anderen Worten: Jeder Mensch (Persönlichkeit), der etwas her-, dar- oder vorstellt (Wahrnehmbarkeit), damit eine Botschaft verbindet (Botschaft), dieses gekonnt (Wissenschaft) und originell (Experiment) tut, um auf ein mögliches Publikum einzuwirken (Therapie), macht - und zwar zwangsläufig: Kunst.
Je anerkannter der Mensch in seinem Tun und Sein, je wahrnehmbarer das Vollbrachte, je bedeutsamer die Botschaft, je besser die Realisierung, je innovativer der Inhalt, je nachhaltiger die Wirkung, umso wertvoller ist das Produkt als Kunst.
Wenn allerdings auch nur ein einziges der sechs Elemente fehlt, kann das Ergebnis keine Kunst mehr sein.
Fehlt zum Beispiel das Element der Botschaft, so ist vom Ergebnis "nur" noch als Handwerk, Therapie, Experiment, Dekoration oder Selbstverwirklichung zu sprechen
...- selbst wenn es sich dabei um Beispiele herausragend guter Qualität handelt.
Fehlt das Element Experiment, deutet dies auf bloße Nachahmung oder Kopie - von denen dann ebenfalls nicht mehr als Kunst gesprochen werden kann.
Fehlt das Element Wahrnehmbarkeit, fehlt auch alles andere. Inklusive Kunst.
Fehlt das Element Persönlichkeit, fehlt natürlich auch der Künstler - ergo: Kein Künstler, keine Kunst.
Fehlt das Element Therapie, wird auf keinen Betrachter gewirkt - ergo: Kein Betrachter, keine Kunst.
Fehlt das Element der Wissenschaft, wurde nichts getan. Folglich auch keine Kunst geschaffen.

Der Contineralismus (continere, lat. = enthalten, beinhalten, zusammenhalten) ist die erste Stilrichtung, die sich dem Begriff der Kunst im Sinne dieser Formel kompromisslos unterordnet. „Contineralismus“ meint darüber hinaus involvierten und in Worte zu fassenden Geist; meint vom Schöpfer visualisiertes und vom Betrachter selbständig variierbares Denken. Ein Contineralist genügt sich nicht in gefälligem Dekorieren, genialem Schockieren oder virtuoser Fingerfertigkeit. Ein Contineralist wird all dies lediglich als Bedingung, Voraussetzung und Zutat begreifen, die, nebst anderen, das von ihm vollbrachte Werk endlich zu Kunst machen. Wer sich zum Contineralismus bekennt, grenzt sich und sein Schaffen ab, gegen rein dekorative Naturtreue oder ebenso rein dekorative Abstraktion; gegen jede Art von Jetzt-finde-ich-mich-selbst!-Pinselei oder minimalistischem Dieser-Punkt-kann-alles-ausdrücken!-Unsinn.
Der Contineralismus ist keineswegs eine neue Kunstrichtung, die neue Formen der Kunst beinhaltet und beschreibt. Das eigentlich Neue und - wenn man es begreift - Spektakuläre ist: Der Contineralismus ist der erste ausgrenzende Stil, denn die „Kunst eines Zusammenhalts“, umfasst große Teile sowohl der Kunst der Alten und Neuen Meister, als auch des Surrealismus, des Expressionismus, des Symbolismus, des Dadaismus und vieler anderer Strömungen, ohne ihre Ausuferungen in den Nicht-Inhalt, in bloßes Schmücken, pure Provokation oder spekulative, „informelle“ Bedeutsamkeit zu dulden. Im Zeitalter des Contineralismus als einer erklärbaren und begreiflichen Kunst wird es - wie in jedem anderen Bereich des menschlichen Treibens auch - gute und schlechte Contineralisten geben. Gute Contineralisten werden sich ihre Anerkennung verdient haben. Schlechte werden sich anstrengen oder aber sich einen anderen Beruf suchen müssen. Es gilt nicht mehr, sich hinter den Rücken redegewandter Kunst-“Wissenschaftler“ vor eigener Inkompetenz zu verstecken!

So soll es für mich der Poetische Contineralismus sein. Eine poetische Form möge sich um einen poetischen Inhalt schmiegen, und ich verstehe Poesie als Welle; als zitternde, empfindliche Balance zwischen Spannung und Entspannung, zwischen Aufregung und Meditation, zwischen Hell und Dunkel, zwischen Ruhe und Bewegung. Denken, Darstellen und Dichten sollen die drei Grundpfeiler meiner Kunst, des Poetischen Contineralismus, sein. Ist dem Contineralismus die Sprache als Instrument des Denkens ohnehin unentbehrlich, so gießt der Poetische Contineralismus diese Sprache in eine sichtbar eigene Kunstform. Anschauung, Begrifflichkeit und sprachlicher Ausdruck sollen für den Betrachter um ein Denken herum durch eigenes Denken zu neuen Ideen und Anregungen reifen.
In meiner Auffassung von Kunst will ich Contineralist; in der Realisierung einer Verknüpfung von Gedanken, Bildern und Sprache will ich Poetischer Contineralist sein.

Timo Dillner, Lagos, Juni 2013

 
www.timodillner.de
rubrik zurück